25ste Woche

Schnee, Schnee, Schnee

Ja, selbst wenn die Japaner nicht wirklich Weihnachten feiern – weniger als ein Prozent Japans Bevölkerung sind Christen – werden wir definitiv eine weiße Weihnacht haben. Aber wie in Deutschland neigen Japaner dazu Bräuche aus den U.S.A. zu assimilieren, rund ums Thema Weihnachten. Zum Beispiel Coca Colas Santa Claus. Und in jedem Supermarkt, und selbst hier im Hotel gibt es Weihnachtsdekorationen…

Wie versprochen, der letzte Fotostapel von Tokio. Viel Spaß!

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Lilith Pendzich;

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24ste Woche

Die dunkle Seite des Mondes

Gut, es heißt mal wieder Bilderzeit. Dieses mal vom Senso-ji-Tempel in Tokyo, ebenfalls noch Fotos von Ende September.

Als ich durch die Tempelanlage lief, fragte mich eine Frau, ob mir ihre kleine Tochter – vielleicht fünf, höchstens sechs Jahre jung – ein paar Fragen stellen dürfe. Also ging ich in die Hocke um ihren Fragen zu lauschen.

„Hello what is your name“, fragte sie in ihrem besten Englisch.

„Where are you from?“ …

„How old are you?“ …

Es war eine der niedlichsten Erfahrungen, die ich hier bisher in Japan gemacht habe. Ich finde, dass dies eine ziemlich lässige Mutter ist, die sich die Zeit nimmt um nach Muttersprachler zu jagen, um ihren kleinen Sprössling eine gute Sprachbildung zu ermöglichen.

Ich glaube, beide waren ein wenig enttäuscht, dass ich aus Deutschland komme, denn als ich der Mutter meine E-Mailadresse gab und darum bat mir die Fotos zu schicken, die sie von mir zusammen mit ihrer Tochter gemacht hat, habe ich bis heute nie welche erhalten :(

Was hat sich zwischenzeitlich hier in Manza zugetragen? Es gab eine totale Mondfinsternis. Gut, Mondfinsternisse sind nicht so selten wie Sonnenfinsternisse. Aber wenn man das Glück hat, dies in einem Freiluftonsen sitzend, hoch in den Bergen bei kristallklarem Nachthimmel mit einem kühlen Bier genießen zu können, denke ich kann man sehr wohl behaupten, dass es etwas Besonderes ist…

Nächste Woche der letzte Stapel von Fotos aus Tokyo von September, bevor ich mit meinem Blog wieder zurück nach Manza, das mittlerweile total im Schnee versunken ist, springen werde.

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Lilith Pendzich;

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23ste Woche

Der große Abschied

Er gab mir Unterkunft, als ich pleite war. Er half mir Arbeit in Tokio zu finden. Er ließ mich kostenlos bei sich wohnen, selbst als ich endlich eine Arbeit gefunden hatte und anbot, Miete zu zahlen. Er verbesserte die meisten meiner englischen Blogeinträge. Zusammen philosophierten wir über das Leben, sahen unzählige Filme, haben Tokios Nachtleben unsicher gemacht, gingen auf Feste…

Nun ja, alle guten Dinge haben irgendwann mal ein Ende.

Brandon, mein – wie er sagen würde – ‘brother from another mother’ wird nach seinem zweijährigen Japanaufenthalt wieder zurück in die Staaten gehen. Da ich aber nun die Möglichkeit habe, wenigstens etwas zurückzugeben, lade ich ihn und seine bezaubernde Freundin Nataly (die dieses mal drei meiner englischen Einträge für mich korrigiert) für zwei Nächte hier nach Manza ein.

Und nun die versprochenen Fotos von Tokio, welche Ende September entstanden, kurz bevor ich für etwas mehr als einen Monat nach Deutschland flog, um meine Fahrradausrüstung zu holen.

Viel Spaß.

Nächste Woche mehr Fotos von Tokio. Und ja, ich arbeite immer noch an der Überraschung, die ich im Eintrag der letzten Woche genannt habe.

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Lilith Pendzich;

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22te Woche

Mir steht das Wasser bis zum Hals

Im Wasse tummle sisch Gestalde, des soll ma ned füa möglisch halde!

Im Wasse tummle sisch Gestalde, des soll ma ned füa möglisch halde!

Es gibt viele Onsenhotels in ganz Japan. Also warum sollte jemand den Aufwand betreiben sich auf den Weg zu einem Onsen zu machen, das auf 1.800 Höhenmetern in mitten der Japanischen Berge liegt? Nun es mag viele Onsens in Japan geben, aber nicht viele mit echtem, schwefelhaltigen Vulkanthermalwasser mit solch einem hohem und gesunden Eisen und Mineraliengehalt. Das Wasser der meisten Schwefelbäder Japans hat für gewöhnlich einen leichten Grünstich. Hier in Manza ist das Wasser jedoch milchig, was eine Besonderheit ist und von den Japanern sehr geschätzt wird. Eine weitere Besonderheit ist, dass dieses Onsen, im Gegensatz zu den meisten anderen, keine aufwändige Tiefenbohrung benötigt, um an das heiße Quellwasser zu gelangen. Man erreicht es schon nach ungefähr 40 m. Und noch eine Besonderheit: Selbst der japanische Kaiser Akihito ist ein regelmäßiger Hotelgast. Der Hotelbesitzer lernte Akihito bereits auf der Universität kennen, als er noch ein junger Mann war.

Japans Badekultur. Onsens nur nackt.

Japans Badekultur. Onsens nur nackt.

Also ein wohl sehr renommiertes Hotel. Ich kann dies nur bestätigen. Diese Woche hatten wir Gäste aus New York, den Niederlanden und selbst aus Deutschland. Als ich einen Tisch abräume, fragt mich der Gast aus den Niederlanden: „Wo kommst Du her?“… „Ah, Deutschland, ich komme aus Amsterdam, wohne und arbeite aber in Zürich.“

„Wirklich? Ich habe dort einen Vortrag über meine Hamburg-Rom Fahrradtour gehalten. Kennst Du das Cafe ‘Dini Mueter’?, frage ich.

„Na klar, ich bin da recht oft!“

Nun ja, manchmal ist die Welt halt doch kleiner, als man denkt. Soviel mal über das Hotel, in dem ich arbeite. Die nächsten Wochen werde ich Fotos von Tokyo präsentieren, die ich bisher noch nicht veröffentlicht habe, der Blog wird allgemeine Updates erfahren und eine weitere Überraschung wird es auch noch geben…

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Lilith Pendzich;

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21ste Woche

Beherbergende Berge

Bisher hatte ich mit meinem Japanaufenthalt äußerst viel Glück. So auch mit meiner jetzigen Arbeit. Ich arbeite im Manza Onsenhotel. Die Lage in den Bergen ist ein Traum, der Nachthimmel ist kristallklar – eine schöne Abwechslung nach dem sternenlosen Himmel über Tokio – und wir haben bereits den ersten Schnee.

Sie standen an den Hängen und Pisten

Sie standen an den Hängen und Pisten

Schwefelgrube und Schnee

Schwefelgrube und Schnee

Zum Schrei(e)n. Schrein in den Bergen.

Zum Schrei(e)n. Schrein in den Bergen.

Wobei natürlich auch jede Arbeit kleine Schattenseiten hat. Es ist nicht mal der Beginn der Arbeitszeit, der mich stört. Ich nahm an jeden Tag um 5 Uhr morgens aufstehen zu müssen. Von wegen. Meine Schicht ist in zwei Teile unterteilt. Der Erste beginnt um 7:30 und geht bis 10:00, der Zweite von 15:30 bis 22:00 Uhr. Und ich muss vor Schichtbeginn nicht mal Zeit fürs Frühstücken oder Abendessen einplanen, da uns innerhalb der Schichten jeweils 30 Minuten fürs Essen gegeben werden. Allerdings hat man zu jeder Schicht zehn Minuten früher zu erscheinen. Mir wurde gesagt, dass dies in Japan normal sei. Scheinbar habe ich diesbezüglich bei meinen bisherigen Arbeitsstellen hier in Japan Glück gehabt, da ich weder als Englischlehrer noch als Linguistik Videospieletester täglich 20 Minuten unbezahlte Arbeit zu leisten hatte. Doch auch meine japanischen Freunde bestätigen mir, dass dies normal sei. Wenn man es rein rechnerisch betrachtet entsteht mir somit ein Schaden von 1200 Yen (11,60 €, 14,18 CHF) pro Woche, 4.800 Yen (46,24 € 56,70 CHF) pro Monat und 24.000 Yen (231,21 €, 283,58 CHF) für die fünf Monate, die ich wahrscheinlich bleiben darf. (Ich habe vorerst einen zwei Monatsvertrag bekommen, da die wirtschaftliche Situation immer noch etwas angespannt ist.) Ich möchte nicht wissen, wie groß der jährliche Schaden für die unbezahlte Mehrarbeit wäre, würde man diesen Betrag auf Japans arbeitende Bevölkerung hochrechnen. Die Zahl müsste im Milliarden € Bereich liegen. Dadurch, dass ich nicht wahnsinnig viel verdiene, ist der Verlustbetrag noch recht gering. Aber auch vor hoch bezahlten Ingenieuren, Fach- und Führungskräften macht diese Regel keine Ausnahme. Was im Westen sofort die Gewerkschaften auf die Barrikaden treiben würde, wird hier als ganz normal angesehen. Dennoch will ich mich nicht beklagen. Denn nach all den Extras, die ich in der letzten Woche aufgezählt habe, bekomme ich noch zusätzlich kostenlos zwei Stunden die Woche Japanischunterricht. Für mich mehr als ein Ausgleich für die Mehrarbeit, denn Japanischunterricht ist teuer und kostet mehr, als der Betrag, den ich durch das Volontieren verliere. Eigentlich ungerecht, denn meine japanischen Kollegen haben schließlich nicht die Möglichkeit, kostenlosen Sprachunterricht zu bekommen. Ein paar Englischstunden wären nicht nur für sie, sondern auch für das Hotel von Vorteil.

Manza Onsen Hotel

Manza Onsen Hotel

Noch was für Sparfüchse, die öfters zum Fitnesscenter gehen. Den Betrag, den man dafür monatlich ausgibt, kann man sich bei dieser Arbeit auch getrost sparen. Wer schließlich zwei mal täglich 300 Massivholzstühle hintereinander auf Tische hievt um sie nach dem Putzen wieder auf den Boden zu stellen, mehrmals pro Schicht 20 kg schwere Speisetöpfe von der Küche zum Buffet schleppt und beim Putzen Ganzkörpereinsatz zeigen darf, braucht wirklich kein Fitnesscenter mehr. Auch wenn die Arbeit hart ist, gefällt sie mir sehr. Ich lerne viele japanische Speisen und deren Zubereitung kennen. Die Kollegen sind freundlich, sehr hilfsbereit und erklären mir alles. Es gibt nie Längen und immer etwas zu tun. Dadurch, dass ich sowohl in der Küche als auch im Speisesaal arbeite, ist die Arbeit sehr abwechslungsreich und die Zeit vergeht wie im Fluge.

Flocken auf den weißen Stein

Flocken auf den weißen Stein

Das Hotel selbst erinnert mich ein wenig an Club Mediterrane oder Club Aldiana der europäischen Alpen (es gibt tatsächlich auch in Japan eine Gebirgskette, die sie Alpen genannt haben). Zwar wird der Umgang mit den Mitmenschen hier nicht so locker wie im Club gehandhabt – die japanische Höflichkeit vergisst man auch hier nicht – doch das Buffet ist vergleichbar gut, die Zimmer ebenfalls ähnlich ausgestattet (soweit ich weiß verzichtet Club Med immer noch auf Fernseher im Zimmer – oder hat dies zumindest bis weit in die 90er Jahre gemacht). In Japan natürlich undenkbar. Wohingegen es hier in der unteren Preisklasse Zimmer mit Gemeinschaftstoilette gibt, was wir nur von Jugendherbergen kennen. Genau wie in Kinugawa (zweite Woche) kann man auch hier zwischen Räumen mit traditionellem Tatami-Fußboden (Reisstrohmatten) ohne Bett, mit Futon Matratze oder zwischen eher westlich orientierten Räumen mit versiegeltem Holzfußboden, Betten und eigenen Toiletten wählen. Dennoch, nur die teuersten Zimmer haben ein eigenes Bad mit Dusche und ohne Badewanne. Für gewöhnlich wäscht man sich gemeinsam mit den Gästen bei den Duschen im Onsen. Ohne Sichtschutz. Und wie in den Clubs gibt es auch hier jeden Abend eine Veranstaltung. Wohingegen sich das Programm der Clubs mehr auf Sketche, Tanzeinlagen, Quiz oder Comedy konzentriert, handelt es sich hier meist um musikalische Darbietungen mit – für westliche Ohren – meist recht kitschigen Liedern. Mir hat es die Sprache verschlagen, als ich Johannes Brahms ‘Guten Abend gute Nacht’ auf einer Posaune dargeboten bekam. Doch den meisten Japanern scheint es zu gefallen. Aber auch der japanische Kitsch hat etwas Nettes. Es ist immerhin deren eigene Kultur, die hier gepflegt wird. Hört man beispielsweise in einem Club die U.S. amerikanischen oder UK Charts zum tausendsten mal, wäre etwas musikalische Alpenkultur zur Abwechslung doch mal etwas Besonderes. Und wenn es einfach nur darum geht, die Kultur kennen zu lernen. Ein Clubtanz bleibt den Gästen hier allerdings erspart.

Kapitän zur Brücke!

Kapitän zur Brücke!

Selbst in Japan geht alles den Bach runter.

Selbst in Japan geht alles den Bach runter.

Warum das Badewasser hier so gesund ist, was der japanische Kaiser mit dem Onsenhotel zu tun hat und mehr über die Umgebung gibt es in der nächsten Woche.

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Lilith Pendzich;

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20te Woche

Gut, besser, nasser.

Da ich mit meiner Berichterstattung in Verzug bin – die Arbeit hier ist recht fordernd – gibt es diese Woche nur einen kurzen Bericht. Jedenfalls bin ich gesund und munter in Manza angekommen, habe ein, sogar für europäische Verhältnisse großes Zimmer bekommen, Verpflegung inklusive. Da ich also weder Miete, noch was für Internet, Essen, Wäsche und Körperhygiene zahlen muss (ich kann das Onsen nutzen so oft ich will, und das Hotel stellt natürlich Shampoo und Seife zur Verfügung) ist dies die perfekte Arbeit um Geld für meine nächste große Radreise zu sparen.

Was bei schweren körperlichen Arbeiten in der ersten Woche auffällt ist, dass man deutlich öfters ins Schnaufen kommt. Die Luft hier oben auf 1800 m ist recht dünn. Es dauert einige Zeit, bis sich der Körper daran gewöhnt. Ein weiterer nerviger Nebeneffekt ist, dass auch Flaschen mit kohlensäurehaltigen Getränken beim Öffnen wegen des geringen Luftdrucks ähnliche „Atemprobleme“ zeigen, die darin resultieren, dass der Trinker eine „Erfrischung“ der ganz anderen Art erlebt.

Aber meine Prämisse nicht in der ersten Woche über meine Arbeit zu schreiben, gilt auch für diese Stelle. Was ich besonders cool finde ist, dass man für mich eine Willkommensparty feiert. Mehr über den Job, die Kultur und die Umgebung zusammen mit Fotos gibt es dann in den nächsten Wochen.

Begrüßungsparty

Begrüßungsparty

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service; Rakoczi Katalin, Ungarn; Lilith Pendzich;

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19te Woche

Schlaflos im Shuttle

Nach einer weiteren schlaflosen Nacht in einem Flugzeug komme ich zum zweiten Mal am Narita Flughafen an. Dieses mal sogar noch voller bepackt als beim ersten Mal. Ich habe meinen Fahrradanhänger und mein Snowboard dabei. Nun, da ich kein eigenes Fahrrad habe, (für die Hamburg – Rom Radtour habe ich das Rad meiner Schwester benutzt) muss ich mich mit diesem Problem wohl hier in Japan befassen. Allerdings habe ich immer noch ein wenig Zeit dafür, da die Radreise für 2012 geplant ist und ich nicht vorhabe, meine Tour mitten im Winter zu beginnen.

Ach ja, da gibt es noch was, das ich bisher geheimgehalten habe: Mein neuer Job hier in Japan. Diejenigen, die mich während meines Japanaufenthalts bisher via Blog begleitet haben, erinnern sich vielleicht daran, dass ich bereits vor meinem Japanaufenthalt eine Stelle in den Bergen der Gunma Präfektur, nahe Nagano sicher hatte. Aber nach dem 11.03. brach der Tourismus in Japan zusammen, weshalb sich der Hotelmanager bei mir entschuldigte, dass er mich nicht einstellen könne. Allerdings kam er auf mich einige Monate später zurück, dass er mich nun einstellen könne. Da ich zu dem Zeitpunkt allerdings schon eine andere Stelle hatte, einigten wir uns auf den ersten November als Starttermin. Selbst wenn die Ereignisse in Fukushima meine Pläne total durchkreuzt hatten, ist das Endergebnis deutlich besser. Ich wusste, dass das Hotel in den Bergen liegt. Ich wusste, dass es ein Onsen Hotel ist. Ich wusste nicht, dass es mitten in einem Wintersportgebiet liegt. Hätte ich hier während der Sommermonate gearbeitet, hätte ich „nur“ das Onsen und ein paar Bergwanderungen genießen können. Auf diese Weise werde ich allerdings Snowbaorden und das Onsen genießen.

Vorher muss ich aber noch ein paar Sachen von meinem rekordhaltenden Gastgeber Brandon abhohlen, die er während meines Deutschlandaufenthalts für mich aufbewahrt hat. Aber wie komme ich – bepackt mit einem Rucksack, einem 1,20 m x 60 cm x 50 cm Fahrradanhänger, der 46 kg wiegt, inklusive Snowboard vom Narita Flughafen, Chiba Präfektur, nach Kawagoe, Saitama Präfektur (fast 100 km), ohne ein halbes Vermögen dafür hinblättern zu müssen? Definitiv zu viele Gepäckstücke für jeden Zug oder irgendeine Metro. Zum Glück gibt es Busse nach Kawagoe und für 3.000 Yen (29 €, 35 CHF)  ist es nicht mal teuer.

„Brother from another Mother“ werde ich von Brandon in Kawagoe willkommen geheißen.

Das Hotel, für das ich arbeiten werde, hat eine eigene Busverbindung, die täglich um neun von Shinjuku, Tokio abfährt. Nun mit fünf Gegenständen bepackt, kann ich definitiv keine Metro mehr nehmen, um von Kawagoe dorthin zu kommen. Es sind immerhin fast 50 km. Also bin ich abermals von einem Reisebus abhängig. Tatsächlich gibt es eine Gesellschaft, die die Strecke aber nur nach 9 Uhr fährt und … es ist die einzige, die ich finden kann. Ein Taxi würde mich wahrscheinlich 70.00 Yen (96 € 118 CHF), wenn nicht sogar noch mehr kosten, wenn ich überhaupt eins fände, das so viel Gepäck transportieren könnte und wenn ja, es auch akzeptieren würde. Mir ist es unangenehm frühere Gastgeber mit Autos um Hilfe zu bitten; da der erste November ein regulärer Arbeitstag ist, ist es auch verständlich, dass sie besseres zu tun haben als mein Chauffeur zu sein. Moment mal… Ich bin nach Kawagoe mit einem Flughafenbus gekommen. Und die fahren fast rund um die Uhr alle Metropolregionen in und um Tokio an, aber auch von allen Regionen zum Flughafen. Hmmmm…. Mal suchen: Haneda Flughafen nach Shinjuku. Ankunftszeit 8:30. Wow Erfolg! Würde dort aber schon um 7:30 sein. Fährt von Haneda ab 6:15. Okay, jetzt Kawagoe nach Haneda Flughafen. Oh …. hmmmm fährt um 4:25 Uhr.

Naja, ich wusste, dass es Opfer fordern würde. Mit meinen Tetris Verpackungskünsten schaffe ich es alles in meinen Radanhänger, zwei große Plastiktüten, meinen Rucksack zu packen und das Snowboard schiebe ich auf meinem Anhänger liegend vor mir her. Nach einer weiteren schlaflosen Koffer-pack-Nacht bei Brandon, in Bussen und am Flughafen, komme ich endlich in Shinjuku an. Ich bin an der Stelle wie sie mir vom Hotelmanager beschrieben wurde, hier stehen auch Busse, aber selbst um zehn vor neun gibt es keine Spur von einem Manza Bus. Ich schicke dem Manager eine Kurzmitteilung – keine Antwort. Fünf Minuten vor neun. Ich rufe ihn an – Niemand hebt ab…

Ungefähr 20 Minuten nach neun entdecke ich den Busbahnhof, von wo aus der Bus abfährt. Der Bus ist natürlich schon längst weg. Ich gehe zum Busbahnhofsverwalter. Er hat die Festnetznummer des Onsenhotels, wählt die Nummer für mich und übergibt mir den Hörer:

„Guten Tag, spreche ich mit Ichimura San?“, frage ich.

„Ah Simon San, tut mir leid, ich habe heute mein Handy zu Hause vergessen. Oh, und ich habe außerdem gerade bemerkt, dass ich den Weg zum Busbahnhof falsch beschrieben habe. Es ist nicht die Südseite, sondern die Westseite“, entschuldigt er sich.

„Jiiiaa, ich glaube, dass ich das auch gerade bemerkt habe.“, antworte ich.

„Aber könntest Du trotzdem heute noch kommen, vielleicht mit dem Zug? Du weißt ja, dass wir die Fahrt zahlen.“, bittet er mich.

„Ähhm, tut mir leid, nein, das wird mir leider nicht möglich sein.“, antworte ich.

„Ah wakarimasu ne. Aber vielleicht morgen mit dem Bus?“, fragt er abermals…

Hm… Ich glaube ich habe ein weiteres Problem. Sollte ich jetzt wirklich all mein Zeug wieder zusammenpacken und zu Brandon transportieren? Ich bin mir relativ sicher, dass er mich wieder aufnehmen würde, aber nach allem, was er bisher schon für mich getan hat, möchte ich ihn einfach kein weiteres mal mehr stören. Mit all meinem Krempel wäre es aber auch sehr unverschämt, Gastgeber um eine „Emergency couch“ für nur eine Nacht zu bitten. So viel, wie ich in den letzten vier Monaten verdient habe, sollte ich mir eigentlich eine Nacht in einer Herberge gönnen. Aber wer weiß schon, ob ich nach meinem nächsten Job weiterhin so viel Glück habe, nach meinem nächsten Job so schnell wieder eine weitere Stelle zu finden. Zur Sicherheit spare ich mir lieber das Geld. Glücklicherweise ist es ein strahlend blauer Himmel ohne der geringsten Spur einer Wolke. Und obwohl es November ist, ist die Temperatur recht mäßig. Ja, ich denke ernsthaft darüber nach in einem Park zu übernachten. Ich weiß, es ist nicht legal und ein Gast sollte sich so auch nicht in einem fremden Land benehmen. Aber die Zeiten sind nun mal schwierig.

Vielleicht fragt sich jetzt so mancher, wie es zusammen passt, dass ich mir einerseits den Luxus gönne in der Welt herumzureisen, noch dazu mein Snowboard mitzunehmen dann aber bei  3.000 Yen (29 €, 35 CHF) für eine Nacht geize. Hierzu sei Folgendes gesagt: Meine Hamburg – Rom Radreise entstand eher aus der Not heraus, da ich mitten in der Weltwirtschaftskrise meinen Job verloren hatte, und es für sinnlos hielt, mich in einer Zeit zu bewerben, in der Tausende ein ähnliches Schicksal ereilt und es deshalb recht unwahrscheinlich war, schnell eine Stelle zu bekommen, da in der Zeit jede Firma eher ausgestellt als eingestellt hat. Grund meines Japanaufenthalts ist zugegebenermaßen sicherlich die Abenteuerlust, doch andererseits will ich damit auch meinen Lebenslauf aufwerten, da darin ein einjähriger Auslandsaufenthalt bisher fehlt. Und das Snowboard? – Ist zehn Jahre alt und war ein Geschenk. Und wer Flüge ungefähr ein Jahr im Voraus bucht, sich gut erkundigt, wird erstaunt feststellen, für wie wenig Geld man in der Weltgeschichte rumgeistern kann. Und soviel sei auch noch gesagt: Wer suchet, der findet auch Airlines, die einen kostenlosen Snowboardtransport anbieten. Doch zurück nach Shinjuku.

Wo soll ich nun meine Sachen sicherstellen? Jim und Heath! Genau, einer meiner ersten Gastgeber, die in Shibuya, nahe Shinjuku leben. Hm… Kann sie nicht telefonisch erreichen. Werde wohl mit all meinem Zeug dort hingehen und klingeln müssen.

Endlich angekommen öffnet auch jemand die Tür. Aber es ist weder Jim noch Heath.

„Hallo ähm Sie müssen wohl ein Couchsurfer sein?“, frage ich den Mann.

„Nun ja, so ungefähr. Jim und Heath haben während ihrer Ferien das Haus an uns vermietet.“, antwortet er.

„Oh, ist mir peinlich. Also ich bin ein früherer Couchsufing Gast, und bin hier gestrandet, möchte nicht um Unterkunft bitten, aber fragen, ob ich mein Zeug hier für eine Nacht unterstellen kann?“, erkläre ich.

„Na klar, kein Problem!“

Da ich so erschöpft bin, lege ich mich auf eine Wiese im Shinjuku Park. Ungefähr drei Stunden später wache ich gegen 15 Uhr auf. Natürlich zu früh um sich irgendwo für die Nacht niederzulassen. Hm… vielleicht sollte ich doch noch zu einem Friseur bevor ich meinen neuen Arbeitgeber sehen werde.

Dies ist also mein erster Friseurbesuch in Japan. Die Friseurin leistet gute Arbeit. Was ich an den japanischen Friseuren verglichen mit den Deutschen mag ist, dass sie die Haare nicht vor, sondern erst nach dem Schneiden waschen, sodass auch wirklich alle geschnittenen Haare weg sind. Auch sehr interessant: Sie reinigen Dir die Ohren mit dem Handtuch. Etwas schockierend oder sage ich mal, einfach unerwartet, wenn man das nicht gewohnt ist. Aber was mir am besten gefällt ist, dass ich am Schluss eine kostenlose Schultermassage erhalte. Und so wie mir die Schultern vom Herumgeschleppe heute auch schmerzen, kommt es zu einem Zeitpunkt, der nicht sinnvoller hätte gewählt sein können. All das für 3.500 Yen. Besser investiert als in eine Hotelnacht. :)

Nachdem ich mir ein Sushipack vom Supermarkt geholt habe, kann ich sogar meine Zähne in einer der Parktoiletten putzen. Wow, habe meine Haare und Gesicht gewaschen, Zähne geputzt, fehlt nur noch ein gemütlicher Fleck für die Nacht im Park, wo mich die Polizei nicht entdeckt. Als ich letzten Endes einen Ort finde, begegne ich mehreren Obdachlosen Leuten, die diesen Platz wohl schon gewohnt sind. Als ich meine Isomatte samt Schlafsack ausbreite schäme ich mich ein wenig. Für mich ist diese Situation eher ein Abenteuer. Für sie ist es der Alltag. Ich krieche in meinen Schlafsack und schlafe erstaunlich schnell ein. Ich wache zwar drei mal die Nacht auf, aber mit meiner Jacke in meinem Schlafsack ist es wirklich okay.

Ein Griff an meine Kehle am nächsten Morgen bestätigt mir, dass sie nicht durchtrennt ist. Ein Griff in meine Hosentasche verrät mir, dass meine Brieftasche immer noch da ist. Nein, ich wache nicht in einer Gefängniszelle auf. Und ja, nachdem ich mein Zeug bei Jim und Heath abgeholt habe, erreiche ich endlich den Bus nach Manza!

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Stilbruch

Liebe Grüße aus Moskau

Pavel, meine Cochsurfer und ich auf dem Roten Platz

Pavel, meine Cochsurfer und ich auf dem Roten Platz

Ich weiß, ich weiß, der Untertitel meines Blogs lautet: Ein Jahr Work and travel in Japan. Aber eine kleine Deutschlandpause war von Anfang an eingeplant. Und mindestens ein Jahr Japan wird es auch werden. Hat es dann Sinn, jetzt plötzlich was über Moskau zu schreiben? Ich finde schon. Zumindest, wenn man über Moskau fliegt. Da ich Fan des Stilbruchs aber auch der Abwechslung bin, kommt hier einfach mal etwas Ungewohntes. Naja, und wer über Moskau nach Japan fliegt, für den mag der Bericht sicherlich auch nützlich sein.

Schon zwei Monate vor meinem Moskauaufenthalt habe ich über couchsurfing ortsansässige, gastfreundliche Moskauer vorgewarnt, dass ich in ihre Stadt komme und gefragt, wer denn einen unwissenden Deutschen durch ihre wunderschöne Stadt führen möge. Bei den Filtereinstellungen der Personen, an die ich die Anfrage sende, ist mir wohl ein Fehler passiert. Habe mich schon gewundert, warum mir nur Frauen geantwortet haben ;)

Ah, neben der richtigen Filtereinstellung gibt es noch etwas Wichtiges. Wer in Moskau den Flughafen verlassen will, muss dort entweder etwas wirklich Böses tun, dass dann vielleicht einen Transport zu einer Russischen Gefängniszelle bzw. zu einem Russischen Gericht zur Folge hat. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass man von einem Sightseeingbus dort hin gebracht wird. Auch wenn diese Fahrten wahrscheinlich kostenlos wären. Oder man beantragt bei der russischen Botschaft ein Transitvisum, bevor man sein Abflugsland verlässt. Übrigens gibt es mehrere Möglichkeiten von den Visagebühren befreit zu werden. Schwerbehinderte sind z. B. von den Gebühren befreit.

Moskau City

Moskau City

Um vier Uhr morgens komme ich also am 29. Oktober im schon recht kalten Moskau am Flughafen Sheremetyevo an. Sehr schön: Im Gegensatz zu Deutschland oder Japan gibt es hier fast überall kostenloses W-LAN. Iya, eine Russin, die mir als eine der ersten geantwortet hat, hat mir sogar die Busverbindungen zu den nahe gelegensten Metrobahnhöfen rausgesucht. Je nachdem wie gut man seinen Anschluss bekommt, ist man so in in ungefähr einer Stunde im Zentrum. In nur 35 Minuten, aber natürlich auch teurer pendelt man mit dem Aeroexpress zwischen Flughafen und Zentrum. Ich entscheide mich für Bus und Metro und bekomme gleich beim Fahrkartenkauf von einem jungen Russen hinter mir in der Reihe auf bestem Englisch Hilfe angeboten. Er heißt Pavel, ist 20 Jahre jung und ist bei seiner Firma als Übersetzer eingestellt. Als er mir erzählt, dass er am heutigen Samstag nichts zu tun habe und nur für einen Kunden seiner Firma einen Flugschein abholen musste, biete ich ihm an mich auf meiner Entdeckungstour zu begleiten. Pavel ist zwar als Übersetzer angestellt, kann sein Englisch aber selten in einer Konversation anwenden, weshalb er sich kurzum entschließt mich zu begleiten. Ich bin erstaunt, denn dafür, dass er noch keinen längeren Auslandsaufenthalt hatte und angeblich nie mit jemanden Englisch reden kann, spricht er erstaunlich gutes Englisch. Also sitzt mir entweder ein sehr ehrgeiziger, junger Herr gegenüber, oder das russische Schulsystem ist – zumindest für Sprachen – sehr gut. Mal sehen, wie es mit den jungen Damen ist.

Da ich ein kleines Fable für Architektur habe – ja, auch für moderne Hochhäuser – möchte ich mir die neue Moskau City
http://federationtower.ru/ – das Banken und Unternehmensviertel – ansehen.

Als ich ihm von diesen Plan erzähle ist Pavel überrascht: „Dort gibt es aber nichts zu sehen. Nur Wolkenkratzer, und viele meisten davon sind nicht mal fertig. Und sie liegt …“ „Ja ich weiß, ungefähr fünf Kilometer Luftlinie vom Zentrum entfernt“, unterbreche ich ihn. „Aber es ist Samstag, noch dazu recht früh und die meisten Museen öffnen nicht vor zehn oder 10:30 Uhr, ein Cafébesuch hat für mich wenig Sinn, da ich gerade im Flugzeug was gegessen habe.“

Nach einer „Fotositzung“ in der Moskaucity machen wir uns auf den Weg ins Zentrum. Langsam wachen „meine“ Couchsurferinnen auf und melden sich via Kurzmitteilung. Laura aus Oxford, England, die hier seit zwei Monaten wohnt und für eine Hilfsorganisation arbeitet, ist die erste. Wir treffen uns vor dem erst gestern neueröffneten Bolshoi Theater, dass eine sechsjährige Restaurierungsphase hinter sich hat und von Präsident Dmitry Medvedev persönlich eingeweiht wurde. Schon beim Eröffnungskonzert gab es einen Unfall. Ein nicht ausreichend befestigter Gegenstand fiel auf einen Mitwirkenden. Gut, dass der Chor – symbolisch für die Renovierung – aus als Bauarbeiter verkleideten SängerInnen bestand. Selbstverständlich ausgestattet mit Helm. Wahrscheinlich hatten sie schon so eine Ahnung, dass noch nicht alles niet- und nagelfest ist. Da die Helme ganz bestimmt schlimmeres verhindert haben, eine schlaue Entscheidung. :)

Bolshoi Theater

Bolshoi Theater

Endlich geht’s zum Roten Platz mit dem Kreml, dem staatlichen historischen Museum und natürlich der wunderschönen Basilius-Kathedrale. Ich erzähle Laura und Pavel, dass ich gerne in die Tretjakow-Galerie gehen würde. Beide warnen mich aber, dass man vor Kunstmuseen meist eine halbe Stunde in der Warteschlange steht. Bei besonderen Ausstellungen noch länger. Wir entscheiden uns für das historische Museum. Die Ausstellung ist mannigfaltig, das Gebäude sowohl von außen als auch von innen beeindruckend. Kurz – empfehlenswert. Allerdings sollten Leute, die der russischen Sprache nicht mächtig, sind den Museumsrundgang nicht ohne Audioführer machen. Fast alle Erklärungen sind in russisch. Aber wozu haben wir denn Pavel? :) Und selbst Laura kann mir erstaunlich viel über die russische Geschichte erzählen.

Rubel GUM

GUM

GUM

Natalia, die zweite Couchsurferin im Bunde, die sich meldet und auf den Weg zum Museum macht. Gemeinsam sehen wir uns das GUM an, Moskaus Nobeleinkaufspassage. Und in einem der vielen Cafes im GUM treffen wir Iya. Übrigens ist auch das Englisch der anderen beiden Russinen sehr gut. Leider bleibt mir nur noch wenig Zeit mit ihnen. Die Nutzen wir für unser Gruppenfoto und nachdem sich Pavel nun verabschiedet, zeigt mir das Dreigestirn Moskaus schönste Metrostationen. Zurück gönne ich mir den Aeroexpress. Übrigens habe ich in den Cafés niemanden die Gläser an die Wand schmeißen sehen. Die Gruppe Dschingiskahn hat uns verarscht!

U-Bahnstation

U-Bahnstation

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Laura Gordon, Oxford, UK, Natalia Nikitina, Iya Zakalyukina, and Pavel Titov alle aus Moskau, Russland; Lilith Pendzich.

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die 18te Woche

Ellis Island in Tokio

Mogele ich, weil ich eine Unterbrechung bei meinem Japanaufenhalt einlege? Auf meinem Blog heißt es doch „ein Jahr work and travel in Japan“! Keine Sorge. Nicht weniger als ein Jahr wird es auch werden. Nur gibt es einfach Sachen, die nicht in zwei Rucksäcke passen.Wie z. B. ein sperriges Fahrrad mit 28-Zoll-Reifen. Nicht gerade sehr hilfreich wenn man in Tokyo couch surft wo Wohnraum sehr begrenzt ist. Im Gegensatz zu vielen Städten in Deutschland, darf man sein Fahrrad in Tokyo nicht in der Metro transportieren. Selbst wenn, wäre es aber bei den überfüllten Zügen, wenn überhaupt, auch nur außerhalb der Stoßzeiten möglich.

Wenn man ein für Japan ein Visum hat, dass noch mehrere Monate gilt, Japan für einige Zeit verlassen aber innerhalb der Zeit wieder zurückkommen will in der das Visum noch gültig ist, benötigt man eine „Re-entry Permit“ also eine Wiedereinreisegenehmigung welche vorher in Japan beantragt und dort ausgestellt werden muss. Verlässt man Japan ohne diese Wiedereinreisegenehmigung verliert das Visum mit bei der Ausreise seine Gültigkeit und ein neues müsste beantragt werden. In Tokyo geht man hierfür ins Tokyo Regional Immigration Bureau nach Shinagawa. Auch die Saitama Präfektur hat ein solches Büro in Omiya.

Dort angekommen hat man die Wahl zwischen einer Single Re-Entry permit oder einer mehrfachen Einreiseerlaubnis. Natürlich zu unterschiedlichen Gebühren. Für die einmalige zahlt man nur 1.000 Yen. Die mehrfache kostet schon 6.000 Yen.

Mich erinnert der Ort an dem sich das Immigrationsbüro befindet etwas an Ellis Island in New York. Würde man auf dem Schiffsweg kommen könnte man diese künstliche Insel vor Tokio als Abfangstation für unerwünschte Immigranten benutzen. Hoffentlich werde ich jetzt nicht gleich abgeschoben und auf das nächste Schiff nach Hamburg verfrachtet, wenn irgendetwas mit meinem Visum nicht mehr stimmen sollte. Zum Glück hat die Insel aber nur einen riesigen Containerhafen und keine Anlegestelle für Passagierschiffe. Noch mal Glück gehabt.

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Lilith Pendzich.

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die 17te Woche

Die Queues im Fuji Q

Nach all dem Schuften der letzten Monate gönne ich mir nun ein wenig Auszeit. Mit dem Zug geht es geht zum Fuji-Q Vergnügungspark, am Fuße des Fuji Sans. Also praktisch schon zum zweiten mal zum Fuji. Auch wenn die Fahrt dahin, von Tokyos Zentrum, bis zu zwei Stunden dauert, und man fast 90 km zurücklegt, ist sie doch verhältnismäßig billig. Die Anreise kostet weniger als 2.000 Yen (20 €).

Ich werde von Hiro, einer meiner ehemaligen Gastgeber (Woche 2) und Christopher begleitet, nachdem Hiro und ich auf der CS Webseite ein öffentliches Event aus unserem Ausflug gemacht haben. Christopher kommt aus Ohio, U.S.A. und studiert Peace & Conflict Resolution hier in Japan. Wer weiß, vielleicht stehe ich ja gerade vor dem nächsten großen Friedensbotschafter der U.S.A. Naja, U.S.A. und Friedensbotschafter, wenn das mal kein Widerspruch ist ;)

Ich bin froh, dass wir mit dem Zug fahren, denn auf dem Weg dort hin lernen wir eine japanische Frauen- und Mädchenreisegruppe kennen, mit denen wir gleich ins Gespräch kommen. Und somit vergeht die Zeit wie im Zuge. Sagt man doch so, oder?

Der Fuji-Q Park hat seinen eigenen Zugbahnhof direkt vor den Toren des Parks. Das Eintrittspreissystem ist allerdings etwas verwirrend. Man Zahlt entweder 1.300 Yen (13 €) für den Eintritt, muss dann aber noch zusätzlich für jedes Fahrgeschäft zahlen. In der Regel pro Achterbahn zwischen 9.00 Yen (8,70 €) und 1.200 Yen (11,60 €) pro Fahrt. Oder man zahlt 5.000 Yen (48,60 €) für eine (Erwachsenen-)Tageseintrittskarte, sämtliche Fahrgeschäfte ohne zusätzlichen Aufpreis inbegriffen.

„Okay, es ist wohl klar, dass wir die Tageskarte nehmen!“ sage ich. Hiro weiß aber, dass sich das Tagesticket für uns nicht mehr lohnt, da es bereits nach 13:00 Uhr ist und eine Stunde Wartezeit bei den Fahrgeschäften keine Seltenheit ist. Wenn überhaupt, lohnt es sich das nur, wenn man pünktlich um 10:00 Uhr ankommt und eine Attraktion nach der anderen fährt.

Weltrekordurkunde

Weltrekordurkunde

Erst als wir uns in die erste Menschenschlange einreihen beginne ich Hiros Worten glauben zu schenken. Wir stehen sage und schreibe zwei Stunden und 30 Minuten für eine Achterbahnfahrt an, die gerade mal zwei Minuten und zehn Sekunden dauert. Gut, es handelt sich um die Eejanaika (ええじゃないか) Achterbahn, eine Weltrekordachterbahn – natürlich mit Eintrag im Guinnessbuch. 14 Inversionen! Doch die Achterbahnfreaks streiten sich um die Anerkennung des Rekords. Denn beim Rekord wurden die Inversionen der rotierenden Sitze mit denen der Achterbahn kombiniert und als Gesamtergebnis gewertet. Die Achterbahn selbst hat jedoch nur drei Inversionen. Rekord hin oder her, es ist zwar eine besondere Achterbahn, die Fahrt war auch spaßig. Dennoch waren die zwei Stunden und 30 Minuten Wartezeit für eine gerade mal zwei Minuten lange Fahrt für mich unverhältnismäßig.

EEJANAIKA onride 4 (rear seat) von purplefinale

Da wir die Zeit effizient nutzen wollen, stellen wir uns gleich nach der Fahrt in die nächste Warteschlange. Mit 130 km/h und 79 m Höhe eine ehemalige Weltrekordachterbahn. Vom Jahr ihrer Fertigstellung 1996 bis 1997 war die Fuji Yama sowohl die höchste, als auch die schnellste Achterbahn der Welt. Aber mit der weltschnellsten Achterbahn, der Formula Rossa in Abu Dhabi mit ihren 240 km/h, kann sie natürlich nicht mithalten. Wenigstens steht man hier „nur“ 45 min für immerhin 3:36 Minuten Fahrzeit an.


FUJIYAMA onride 10 (front seat) von purplefinale

Fujiyama

Fujiyama

Nach vier Stunden, die wir hier nun verbracht haben, gönnen wir uns eine Stunde Auszeit in einem japanischen Burgerrestaurant. Wahrscheinlich ein Fehler, denn als wir uns danach in die nächste Warteschlange einreihen, beginnt es nach einer Stunde Wartezeit ungefähr gegen 19:00 Uhr zu regnen. Die Achterbahn wird geschlossen. Den Leuten wird als Entschädigung eine Priority Queue Karte in die Hand gedrückt.

„Ah“, sagt Hiro, “somit kommen wir das nächste Mal wenigstens schneller in die Achterbahn.“
„Naja”, widerspreche ich, “Was glaubst Du denn, was an der Priority Queue passieren wird, wenn sich die Hundertschaften, die jetzt alle die Karte bekommen, an den Eingang anstellen werden sobald die Bahn heute wieder öffnet?“
Der Regen wird stärker und es sieht nicht danach aus, als wenn er in den letzten zwei verbleibenden Stunden noch aufhören würde.
„Für wann gilt die Karte denn?“, frage ich Hiro.
Die Karte untersuchend antwortet er: „Nur heute.“

Aha, also uns wird als Entschädigung eine Karte für einen Eingang angeboten, mit dem wir angeblich eine verkürzte Wartezeit haben werden, an den sich innerhalb der nächsten zwei Stunden ungefähr hundert Menschen anstellen können, vorausgesetzt es hört heute überhaupt noch mal zu regnen auf. Hm… Also meine stochastischen Fähigkeiten sagen mir, dass die Wahrscheinlichkeit recht gering ist, von diesem Vorteil zu profitieren. Natürlich kann der Park nichts für diesen Wetterumbruch. Aber wenn es nur noch um gespielte Höflichkeit geht, sollten sie diese sinnlose Papierverschwendung mit wertlosen Karten doch lieber gleich lassen. Die Bäume werden’s ihnen danken.

Warten auf den Zug

Warten auf den Zug

Wir warten noch 20 Minuten, der Regen wird stärker, bis wir uns schließlich auf den Heimweg machen. Wir hatten zwar einen spaßigen und wirklich schönen Tag, da wir viele Menschen kennen gelernt haben und die Zugfahrt durch die wunderschöne, japanische Landschaft schließlich auch ein Erlebnis ist, aber trocken betrachtet haben wir etwas mehr als 4.000 Yen (39 €) ausgegeben für vier Stunden Zugfahrt die 3300 Yen (33 €) für nicht mal sechs Minuten Achterbahnfahrt gegenüberstehen. Und nun darf jede und jeder selbst entscheinden, ob es ihr oder ihm den weiten Weg zum Fuji-Q Freizeitpark wert ist. Und ja Hiro, danke, dass Du mir davon abgeraten hast, das Tagesticket zu kaufen.

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Lilith Pendzich.

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