die 16te Woche

Es scheint der Technikmonat zu sein. Mal wieder ein Videoeintrag. Dieses mal von der Tokyo Game Show. Japans wichtigster Videospielemesse. Nachdem Videospielmagazine über die Spiele deutlich detallierter als ich berichten, konzentriere ich mich mehr auf das Drumherum. Was, außer Videospiele hat die TGS noch zu bieten? Die coolsten Standoutfits und natürlich die heißesten Messebabes. Viel Spaß.


Tokyo Gameshow 2011 von Daaaaaaaaaaaax

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die 15te Woche

Ein kleines Video und Fotos von Tokios Couchsurfingtreffen und Bilder von der berühmten Kreuzung in Shibuya. Viel Spaß!


Couchsurfing Tokyo von Daaaaaaaaaaaax

Mehr als 30 Teilnehmer.

Mehr als 30 Teilnehmer.

Kampai

Kampai

Ähh, was wollte ich nochmal mixen. Hätte vielleicht doch nicht so viele Cocktails testen sollen

Ähh, was wollte ich nochmal mixen. Hätte vielleicht doch nicht so viele Cocktails testen sollen

Shibuya bei Nacht

Shibuya bei Nacht

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die 14te Woche

Super Couch potatoes

Mandarake

Mandarake

Nicht der Hauptgrund, aber doch sicherlich ein wesentlicher, weshalb ich nach Japan gekommen bin, ist mein starkes Interesse für einige von Japans wichtigsten Kulturexportgütern: Mangas und Videospiele. Und deshalb wird es diese Woche noch einmal technisch. Ich mache mich auf ins Mekka der Videospiele, Tokios Technikviertel Akihabara. Hier reiht sich Techniklanden an Technikladen, Videospielladen an Videospielladen, auch Manga, Anime und Modellbaufreunde kommen beim Schlendern durch Akihabara auf ihre Kosten.

 

Als Merchandisefreak bin ich auf der Suche nach ausgefallenen T-Shirts und Videospieleposter. Eines von Akihabaras größten Manga, Anime und Videospielgeschäften ist Mandarake. Auf sechs Stockwerken findet man hier alles, was das Manga- und Zockerherz begehrt. Es gibt ein Stockwerk komplett für Videospiele. Und selbst Retrofans werden hier fündig! Vier lange Regale mit Super Nintendo Spielen. SEGA Saturn-, Dreamcast-, Nintendo 64-, PC Engine-, und selbst NES-Spiele findet man hier noch zuhauf. Undenkbar in einem Promarkt, Mediamarkt oder Niedermeyer. Ein Stockwerk widmet sich komplett Mearchandising und Modellbaufiguren. Ach ja, selbst an Pornofreunde wird gedacht. Ein Stockwerk voll mit Hardcoreheften. Übrigens keine Fotos, sondern Zeichnungen.

Also jede menge Papier. Kommt ja Postern schon mal ziemlich nahe. Jetzt bräuchte ich nur noch ein Motiv, das ich nicht jedes mal abhängen muss, wenn ich Besuch von Kindern bekomme und etwas größeren Formats sollte es noch sein. Hm… hier werde ich leider nicht fündig.

Superpotato

Superpotato

Ich gehe zu Superpotato einer der – wenn nicht, DER – alteingesessenste Retroladen Akihabaras. Beim Betreten des Ladens fühle ich mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt. Fantastisch! All die alten Konsolen gibt es hier noch mit Originalverpackung! Wow, sogar ein ganzes Regal nur mit Videospielsoundtracks! Immerhin sogar ein paar T-Shirts.

 

 

 

 

 

Super Famicom / Super Nintendo Games

Super Famicom / Super Nintendo Games

Good old Game and Watches

Good old Game and Watches

Chrono Trigger Soundtrack

Chrono Trigger Soundtrack

Vielleicht finde ich im obersten Stockwerk Poster… Nein, aber eine Retrospielhalle! Nur historische Titel. Cool!

Final Fight (links) Metal Slug (rechts)

Final Fight (links) Metal Slug (rechts)

Aber auch hier leider keine Poster. Aaaaahh. Ich bin frustriert. Ich muss jetzt einfach ein paar Japaner verprügeln. Ich fange jetzt einfach eine Schlägerei an. Den ersten erledige ich mein meinen Fäusten. Beim zweiten nehme ich ein Stahlrohr zur Hilfe. Ich sollte mich vielleicht langsam aus dem Staub machen, jetzt gehen doch zu viele auf mich los. Nein… Game Over!

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Lilith Pendzich, Brandon Lamb, U.S.A.

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die 13te Woche

Es wird langsam wirklich Zeit, über meine neue Arbeit zu erzählen. Schließlich handelt es sich, wie bereits erwähnt, nur um eine projektbasierte Stelle, und wir nähern uns langsam aber sicher bereits dem Ende unseres Projekts.

Die Firma, in der ich arbeite, betreibt, wie bereits in Woche acht kurz beschrieben, sogenanntes Linguistic Videogame testing. Die Zeiten, in der wir Vollpreis-Videospiele nur in der Sprache aus dessen Ursprungsland bekommen, sind zum Glück seit den Neunzigern vorbei. Spiele werden übersetzt und auf die Kultur des jeweiligen Markts angepasst. Diesen Vorgang nennt man Lokalisierung.

Mit einer einfachen Übersetzung sämtlicher Anleitungs- und Spieletexte ist es nicht getan. In jeder Kultur gibt es kleine aber doch feine Unterschiede, die bei unzureichender Anpassung eines Spiels teilweise zu großen Missverständnissen oder sogar zu Provokationen führen können.

Einige Beispiele:

Kulturelle oder geschichtsbedingte Unterschiede

Im Beat ’em up XY gibt es einen Move, namens Super SS. Selbstverständlich kann der Name in der deutschen Version nicht eins zu eins übernommen werden.

Maßeinheiten

Während in den U.S.A. oder im U.K. Gallonen, Grad Fahrenheit, Fuß und Meilen vorherrschen, zählt bei uns das metrische System. Die Anpassung stellt in Texten kein Problem dar, doch für Tacho und Thermometer – also Skalen, die in Echtzeit berechnet werden – müssen komplett neue Algorithmen programmiert werden.

Gedichte und Wortspiele…

…sind sicherlich eine der größten Herausforderungen eines jeden „Lokalisten“ ;) Einerseits möchte man den Reim bzw. Witz erhalten, andererseits darf der Sinn natürlich nicht verloren gehen. Ein Problem, das auch die Filmindustrie hat. Hier ein Beispiel aus dem James Bond Streifen Moonraker, dass man auch passende Übersetzungen für Wortspiele finden kann:

Why did you stop the flirt with my King python?

Warum haben sie den Flirt mit meienr Königsphyton unterbrochen?

I thought she had a crush on me!

Weil ich dachte, dass sie mich aus Liebe fast erdrücken würde!

Gedichte und Liedtexte der Disneyfilme werden gerne als Paradebeispiele der Lokalisierung aufgeführt. Doch auch die schon etwas in die Jahre gekommene Oddworldreihe hat bewiesen, dass sich Videospiele nicht vor der Filmindustrie verstecken müssen.

Die Lokalisation geschieht beinahe zeitgleich mit der Erstellung des Grundgerüsts des Spiels, also verhältnismäßig früh in der Entwicklungsphase. Schließlich ist das Skript bereits verfasst, sodass die Lokaagenturen mit der Übersetzung beginnen können. So arbeiten die Programmiererteams von Anfang an nicht nur an einer Version des Spiels, sondern an allen Versionen, in deren Sprachen das Spiel veröffentlicht wird.

Jetzt kommen die Linguistic Tester ins Spiel. Unsere Aufgabe ist es, sämtliche Dialoge, sämtliche Menüs, jeden Inhalt, der übersetzt und angepasst wurde, auf Semantik-, Grammatik-, Formatierungs-, Terminologie-, Rechtschreib- und kulturbedingte Fehler hin zu überprüfen.

Theoretisch müsste jeder Tester nun das Spiel komplett durchspielen und sämtliche Menüs und Untermenüs überprüfen. Damit der Publisher nicht zu viel Stundenlöhne an uns Tester zu zahlen hat, werden uns Cheats vom Entwickler zur Verfügung gestellt, mit denen wir per Knopfdruck gegen jeden Gegner gewinnen oder – sollte es der Test verlangen – auch verlieren können. Auch gibt es Cheats mit denen die einzelen Levels direkt angesteuert werden können.

Im Großen und Ganzen ist jetzt klar, wie das Linguistic testing funktioniert. Doch wie sieht es im Detail aus?

Getestet wird auf sogenannten Debug-Konsolen, welche die Studios nur vom Hersteller direkt beziehen können. Damit ist es möglich, Spiele auszuführen, die sich im Entwicklungsstadium befinden. Die einzelnen in Entwicklung befindlichen Versionen eines Spiels nennt man Build. Liegt der erste Build auf dem Tisch, spricht man sich mit seinem Team ab, wer welchen Spielmodus bzw. welche Menüpunkte samt Untermenüs überprüft. Jede Sprache bildet hierbei ein Team, deren einzelne Glieder an jeweils unterschiedlichen Plattformen (PC, Konsole, Handheld) sitzen. Denn mit Ausnahme von Exklusiventwicklungen wird heute kein Vollpreiskonsolenspiel mehr nur für ein einziges System entwickelt.

Welche Arten von Bugs gibt es? Um die Frage kurz zu beantworten: Viele! Zu viele, um sie hier zu alle zu beschreiben. Aber die die wesentlichsten sollen genannt werden: crashes, freezer und blocker.

Crash

Das System stürzt bei einer bestimmten Stelle einfach ab.

Freezer

Das System friert bei einer bestimmten Stelle einfach ein.

Blocker

Man ist in einer Situation oder einem Menüpunkt im Spiel festgefahren, kann vielleicht ein paar Schritte vor oder zurück, doch kommt im Wesentlichen nicht mehr aus dem Menü oder der Situation heraus, da bei der Programmierung einfach etwas nicht bedacht wurde. Das Programm läuft zwar weiterhin stabil, aber es bleibt einem nichts weiter übrig, als das System auszuschalten.

Sämtliche Bugs dieser Kategorie haben bis zum Release höchste Priorität und müssen beseitigt werden. Selbst wenn diese Bugs nicht viel mit Sprachen zu tun haben, werden sie auch von Linguistik Testern gemeldet, da sie den Tester daran hindern, das Spiel weiter zu überprüfen. Aber natürlich liegt die Priorität des Linguistik Testers beim überprüfen der Spieltexte. Hier sind folgende Bugs die wesentlichsten:

Incorrect string,

translation oder

incorrect formatting.

Sind die Übersetzungen an der richtigen Stelle im Spiel? Gibt es Rechtschreibfehler?

Wurden einige Texte vergessen und befindet sich noch ein Platzhalter oder der Originalsprachtext an einer Stelle?

Formatierungsfehler erhalten eine niedrigere Priorität. Ein Beispiel wäre, dass ein Text zwar korrekt in einer Textbox angezeigt aber gestaucht dargestellt wird, da er zu lang ist.

Auch muss überprüft werden, ob an bestimmten Stellen die richtige Symbol- oder Buchstabengrafik gezeigt wird. Des Testers „größte Freude“ ist hier momentan die Nintendo Wii. Denn sämtliche Menüs müssen drei mal überprüft werden. Warum? Die Wii hat drei verschiedene Joypadanschlussmöglichkeiten. Die alten Gamecube Joypads, die Wii mote samt Nunchuck und den Classic Controller. So muss also jedes Menü überprüft werden, ob auch wirklich die richtigen Tastengrafiken dargestellt werden, je nachdem, welches Eingabegerät verwendet wird. Und natürlich müssen die Grafiken auch auf die Systemzugehörigkeit überprüft werden. Nintendo würde wenig begeistert sein, wäre in einem Wii Spiel folgende Aufforderung zu lesen: „Drücke die X-taste um fortzufahren oder die O-taste um abzubrechen.“ (X- und O-Tasten gibt es nur auf dem Joypad für SONYs Playstation) Auch mag ein eingegebener Text auf der hochauflösenden Playstation 3– oder in der Xbox 360-Version wunderbar zu lesen sein. Auf der PAL-Auflösung der Wii erkennt man allerdings nur eine schwammige Linie. Hier kommt der sogenannte Crosscheck ins Spiel. Nach ausgiebigem Testen werden gegen Tagesende sämtliche eingegebenen Bugs darauf hin überprüft, ob sie auch auf die anderen Plattformen bzw. auf andere Sprachversionen übertragbar sind. Blocker können meist für alle Versionen berichtet werden, da es sich schließlich um eine Fehler bei der Programmierung einer Situation handelt, die höchstwahrscheinlich in allen Spieleversionen die gleiche sein wird. Schwieriger wird es allerdings schon bei Freezer oder Crashes. Friert das System ein, weil der Code unzureichend auf das jeweilige System angepasst worden ist, oder weil bereits bei der Programmierung des Grundgerüst ein Fehler unterlaufen ist? Wurde eine Zeile nur in der deutschen Version falsch übersetzt, oder hat sich bereits im Skript ein Fehler eingeschlichen und alle Versionen zeigen in einer bestimmten Situation den falschen Text an?

Warum testet man Sprachmenüs überhaupt während der Entwicklungsphase? Wäre es nicht einfacher, das Spiel erst einmal fertigzustellen und dann alles zu überprüfen? So möchte man meinen, doch es gibt beispielsweise Bereiche, die in einer Sprache mit einem Stichwort erklärt werden, deren Beschreibung in einer anderen Sprache aber drei Zeilen verschlingt. Dass man hier nur für eine Sprachversion ein größeres Menüfenster programmiert wird nicht passieren. Dann wird entweder das Textfenster für alle Versionen etwas vergrößert oder versucht den Text in der Sprache zu kürzen, in der er zu lang ist. Es treten also Fehler auf, die nach Änderungen am Code verlangen. Schwer möglich bei einem abgeschlossenem Spiel. Auch kommt es vor, dass sich einige Menüs nach der Lokalisierung noch ändern oder nachträglich neue Menüs oder Bereiche hinzugefügt werden. Diese Übersetzungsarbeiten führen dann meist nicht mehr die Lokaagenturen, sondern die Linguistic Test Studios aus.

Wie geht es nun weiter mit den gemeldeten Bugs? Die meisten Entwickler nutzen eine verschlüsselte Onlinedatenbank, um den Entwicklungsfortschritt ihres Produkts zu überwachen. Es hat zum Vorteil, dass sich der Fortschritt von überall auf der Welt einsehen lässt. So können die Tester beispielsweise in Kanada sitzen, wohingegen sich das Entwicklerstudio in in Japan befindet, ohne dass die Produktivität darunter leidet. Dem Entwicklerteam liegt nun die Liste der Bugs vor und sie machen sich an die Korrekturarbeiten. Sobald die Fehler von dem Team beseitigt worden sind, oder sobald die Programmierer der Meinung sind, den Fehler behoben zu haben, wird der Ball wieder an das Testteam zurück gespielt. Denn auch wenn die Bugs sehr genau beschrieben sind, ist nicht immer klar, ob ein Fehler auch wirklich behoben wurde. Sobald die Tester dann die Liste der Korrekturen erhalten haben, werden die Bugs auf ihre Beseitigung hin überprüft. Ist kein Unterschied festzustellen oder ist die Änderung für den Tester unzureichend, bleibt der Bug in der Datenbank bestehen oder wird ggf. um eine detailliertere Beschreibung ergänzt. Dieses Prozedur setzt sich fort bis der letzte Bug beseitigt ist.

Welche Atmosphäre herrscht in so einem Unternehmen? Etwas abschreckend wirkt auf den ersten Blick die Tatsache, dass man nirgendwo ohne RFID-Chip-Schlüsselkarte Zugang hat. Auch hat jeder Tester ein eigenes Schließfach, da jeglicher Datenträger draußen bleiben muss. Das gilt sowohl für Handys als auch für mp3-Player. Kameras sind absolutes Tabu. Und die Kommunikation zur Außenwelt? Der Arbeitsplatz des Videospieletesters ist einer der wenigen Büroarbeitsplätze, der tatsächlich ohne Telefon auskommt. Emails können nur an vom Administrator genehmigte Mailadressen gesendet werden. Und wer darauf hofft, sich in den Pausen sich xxx-Seiten zusätzliche Entspannung zu verschaffen wird schwer enttäuscht. Auch hier können nur vom Admin genehmigte Seiten aufgerufen werden. So ein Pech aber auch… Mit anderen Worten ist es äußerst schwer das zu testende Spiel unbemerkt aus dem Büro oder ins Internet zu schleusen.

Und welche Arbeitsatmosphäre herrscht dort? Tester sind ein junges Volk, selten über dreißig Jahre. Wer nebenbei noch seine Fremdsprache(n) auf dem neuesten Stand halten will, freut sich bei diesem Job zusätzlich über einen kostenlosen Konversationskurs. Die Italiener wundern sich in ihrer Sprache über Berlusconis neueste „Errungenschaften“, der Typ am Arbeitsplatz hinter mir kommt mir spanisch vor, zu meiner linken flucht einer auf Französisch… Mit anderen Worten: Wir sind ein krankes Volk! Aber es macht uns Spaß, krank zu sein.

Welche Qualifikationen braucht man für diesen Job? Natürlich gute Deutschkenntnisse. Denn allerspätestens beim Vorstellungsgespräch wird man einem zehnseitigen (!)

Deutschtest unterzogen. Sämtliche Bugs werden in Englisch berichtet. Folglich sind auch sehr gute Englischkenntnisse vonnöten. Das Vorstellungsgespräch wird in Englisch geführt. Wie in jedem Büroberuf sind auch hier gute Officesoftwarekenntnisse Voraussetzung. Und zu guter Letzt sollte man natürlich wissen, wie man ein Joypad richtig hält. Die Einweisung in die Datenbank ist schnell erlernt. Kenntnisse im Bereich von Grafik- oder Videobearbeitung sind von Vorteil, können aber auch während der ersten Woche vermittelt werden.

Welches Gehalt kann man in Japan für so einen Job erwarten? Je nach Region natürlich etwas unterschiedlich. Es sollte nicht unter 1.300 Yen pro Stunde liegen. In der Regel pendeln die Löhne um die 1.500 Yen pro Stunde. Getestet wird Vollzeit in einer 40 Stundenwoche. Bei hohem Arbeitsaufkommen auch Samstags und Sonntags!

Wer nun auf einen Linguistic Testerjob Lust bekommen hat, und dies mit einem work and travel/workin holiday Aufenthalt in Japan verbinden möchte, hier zwei Links:

http://www.uniconpro.co.jp/de/recruit.html

http://www.enzyme.org/index.php?id=75&L=1

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Lilith Pendzich, Brandon Lamb, U.S.A.

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die zwölfte Woche

Aufe, aufan Beag!

Fuji San

Fuji San

Es geht mal wieder raus aufs Land. Und dieses mal auf Japans höchsten Berg, Fuji San. Für diese Bergwanderung habe ich auch schon den richtigen Partner gefunden. Andreas, ein Schulfreund, den ich in der letzten Woche vorgestellt habe. Er ist bereits dreimal von ganz unten bis zum auf 3776 m gelegenem Gipfel gewandert. Das Gros der Bergwanderer beginnt die Besteigung von Station fünf auf 2300 m über dem Meer. Bis hier hin fahren Busse. Andreas und ich haben uns für die lange Route entschieden. Wir beginnen um 12:00 Uhr mittags, wollen den Gipfel gegen ein oder zwei Uhr morgens erreichen und den Sonnenaufgang vom Fuji betrachten. Das schöne an der Route ist, dass sie bis zur Station fünf fast ausschließlich im Wald verläuft und wir trotz brennender Sonne immer im Schatten wandern und keine Sonnencreme brauchen.

Je nach Jahreszeit variiert die Ausrüstung für die Besteigung des Fujis hier stark. Von den Wetterbedingungen her sind Juli und Juli am besten geeignet. Im Winter ist der Aufstieg nur sehr erfahrenen Bergsteigern mit der richtigen Winterausrüstung zu empfehlen. Zusätzlich sei erwähnt, dass die sogenannten Stationshäuser im Winter geschlossen sind und man und man dort folglich keine Verpflegung kaufen kann. Aber es ist schließlich Sommer. Und in der Zeit sollte folgende Ausrüstung reichen:

Taschenlampe (auch wenn man die Besteigung tagsüber plant. Man weiß nie, was auf einen zukommt und wie lange man wirklich bleibt)

Batterien

ein Schweißtuch

Getränke (mindestens vier Liter. Es hört sich nach viel an, wird aber nicht bis zum Gipfel reichen, wenn man vom Fuße des Fujis beginnt)

empfehlenswert aber nicht notwendig: Wanderstöcke

Ja nach Besteigungszeit: Sonnencreme und Sonnenbrille – auch an bewölkten Tagen.

Sinnvoll aber nicht notwendig: Funktionskleidung und Wanderschuhe.

Lebenswichtig: Regenschutz und gute, wetterfeste Kleidung!

Je nachdem, zu welcher Tageszeit man die Tour beginnt, ist eine gute Taschenlampe zu empfehlen. Die letzte Passage ist zwar steil, dennoch sind Nordic walking Stöcke die meiste Zeit sehr hilfreich. Ab Station sieben wird es sehr steil und es empfiehlt sich beide Hände frei zu haben oder von den Wanderstöcken guten Gebrauch zu machen. Insofern ist eine Stirnlampe sehr empfehlenswert.

Man braucht nicht unbedingt gute Bergschuhe. Viele besteigen den Fuji mit Turnschuhen und kommen lebend und ohne Blasen an den Füßen zurück. Ich habe mir zwar eine Funktionshose gekauft, aber Andreas hat sich für eine normale Jeans entschieden. Was allerdings niemals fehlen sollte, ist wetterfeste Kleidung. Auch wenn es für den Fuji San einen eigenen und recht zuverlässigen Wetterbericht gibt, sollte man immer auf Wetterumschläge vorbereitet sein. Also gilt es eine gute Regenjacke mitzunehmen. Und auch Handschuhe sind äußerst sinnvoll. In den Sommermonaten können nachts Temperaturen von bis zu – 5° C erreicht werden. Die Jacke sollte also ein gutes Futter haben. Da man bei der Besteigung leicht ins Schwitzen kommt, sind Fleecehemden Baumwollpullovern zu bevorzugen, da sich Baumwolle schnell mit Schweiß vollsaugt und man so, abhängig von Wind und Höhenmeter, schnell eine Unterkühlung riskiert. Wer den Fuji tagsüber besteigt und nicht den besten Melaninhaushalt hat sollte auf jeden Fall Sonnencreme mitnehmen. Wer aus der Besteigung ein Zweitageserlebnis macht, sollte auch an Toilettenpapier denken. Und natürlich viel zu trinken…

Bei unserer ersten Pause nach ungefähr einer Stunde begegnen wir einem japanischem Rentnerpaar, das uns selbst geerntete Pfirsiche anbietet. Es ist kaum zu fassen, aber ich habe von meinem vier Liter Getränkevorrat bereits zwei getrunken.

Weiter geht’s zur Station eins. Auf dem Weg dort hin keine einzige Menschenseele. Kurz vor der zweiten Station gibt es einen Parkplatz. Auf unserer Wanderroute der letzte Zugang für Autos bis zur Station fünf. Hier begegnen wir zwei Polen. Tja, selbst die deutschen Nachbarn wissen hohe Berge zu schätzen.

Es ist bereits 16:00 Uhr und wir sind gerade mal auf Station 3 auf 1700 Metern. Japan bemüht sich übrigens seit längerem darum, dass der Fuji San in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco eingetragen wird. Bisher wurden die Anträge aufgrund des vielen Mülls auf und um den Fuße des Berges als auch mit der Begründung, dass der Berg zu wenig schützenswerte Pflanzenarten bietet, abgelehnt. Andreas und ich finden auf dem Weg verhältnismäßig wenig Flaschen oder Plastiktüten, da gibt es in Deutschland deutlich schlimmer verschmutzte Wanderrouten, aber die sogenannten Stationshäuser von Nummer eins bis zur Nummer fünf sind auch für mich alles andere als eine Augenweide. Es sind verrottende Hüttenruinen, eingestürzt, eingefallen und verlassen. Auch wenn ich kein Unescojuror bin, kann ich deren Ablehnungsgrund sehr gut nachvollziehen. Als eine Straße zu Station fünf gebaut wurde, verloren alle darunter gelegenen Stationshäuser stark an Bedeutung. Seit dem starten viele Wanderer ihre Route nicht mehr von ganz unten und so war es für die Wirte wenig lukrativ die Hütten aufrecht zu erhalten. Schließlich wurden die Lebensmittel zu den Hütten getragen. Was im Übrigen heute immer noch für alle Stationshäuser ab Nummer fünf gilt.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Keine einzige Regenwolke. Allerdings bricht nun gegen 19:00 Uhr langsam die Dunkelheit ein und Andreas und ich kramen unsere Taschenlampen hervor. Zwar ist meine deutlich heller, jedoch trotz vier A Batterien nach weniger als einer Stunde leer. Der sternenklare Himmel und Mondschein hilft hier im Wald reichlich wenig. Beide hoffen wir, dass Andreas Batterien etwas länger halten. Wir machen mehrmals den Test aufs Exempel, wie es wäre, wenn uns die zweite Taschenlampe kaputt ginge. Selbst auf lichteren Ebenen im Mondschein stolpern wir sofort über den steinigen Boden. Von der möglichen Gefahr falsch abzubiegen mal ganz zu schweigen.

Müde, aber nicht völlig erschöpft erreichen wir gegen neun das Stationshaus Nummer fünf. Das erste, das keine zerfallene Ruine ist. Seit einiger Zeit habe ich Magenschmerzen. Meine Getränke haben bis hier hin tatsächlich gereicht. Dennoch wird der Vorrat langsam knapp. Ich kaufe mir eine zwei Literflasche für 1.000 Yen (9 €).

Um 9:30 ziehen wir weiter. Es wird steil. Sehr steil. Zum Wanderweg gesellen sich nun viele Touristen, die mit dem Bus zur Station fünf gefahren sind und ihre Bergtour von dort aus gestartet haben. Oft hört man Touristen mit amerikanischem Akzent, doch der Großteil ist japanisch. Denn schließlich ist gerade in Japan Ferienzeit. Das bedeutet auch, dass man während der Obonfeste die Bahnen und Busse zum Fuji San mindestens zwei Wochen im Voraus buchen sollte.

Gegen 10:00 Uhr erreichen wir Station 6. Die dünne Luft macht uns langsam zu schaffen. Meine Magenschmerzen werden stärker. Auch Andreas klagt über leichte Bauchschmerzen. Da er den Fuji bereits dreimal bestiegen hat ohne irgendwelche Magenprobleme gehabt zu haben, scheint es wohl weniger an der dünnen Luft zu liegen. Obwohl ich nur fünf Stunden geschlafen habe, schließe ich auch Erschöpfung als Ursache aus, he he. Also was ist es, das uns beiden zu schaffen macht? Da war doch dieses nette Paar mit den Pfirsichen… Aber die waren wirklich lecker. Sollten uns die wirklich den Magen verdorben haben? Jedenfalls ist es das einzige, was wir heute gemeinsam gegessen haben.

Um 11:00 Uhr erreichen wir Stationshaus 7 auf fast 3.000 m als meine Bauchschmerzen unerträglich werden. Es ist ein wolkenfreier Nachthimmel. Hier oben sieht man das, was mir seit meiner Ankunft in Japan verwehrt blieb: Ein wunderschönes Himmelszelt mit tausenden von Sternen und der Milchstraße! Wir sehen sogar drei Sternschnuppen! Doch leider habe ich nicht viel von der Idylle, da mir, zusätzlich zu meinen Magenschmerzen, die dünne Luft so zu schaffen macht, dass ich starke Kreislaufprobleme bekomme und kreidebleich werde. Auch eine einstündige Pause verbessert meinen Zustand nicht. Wir haben zwar Glück mit dem Wetter. Es herrscht nur ein leichter Wind. Doch trotz zwei Sweathirts samt Jacke beginnen wir beide zu frieren. Was will man erwarten, wenn man sich nicht mehr bewegt. Meine Magenbeschwerden werden noch schlimmer! Ich bin absolut entkräftet und sage Andreas: „Tut mir Leid, ich muss aufgeben!“

Ich bin über Andreas Reaktion überrascht. Er ist überhaupt nicht enttäuscht. Gut, er war ja bereits mehrmals auf dem Gipfel.

Wir machen uns also auf den Rückweg. Nach zwei Stunden erreichen wir Station 5. Allerdings ist es nicht mal drei Uhr. Die ersten Busse zurück nach Tokio gehen erst um 10:00 Uhr. Bis zum Morgengrauen harren wir auf zwei harten Holzbänken aus. Als Entschädigung werden wir mit einem wunderschönem Sonnenaufgang belohnt. Er ist fast komplett nebelfrei, was am Fuji San selten ist. Meist bildet sich in den Tälern starker Morgennebel, der sich insbesondere in den Niederungen noch lange hält.

Sonnenaufgang vom Fuji aus

Sonnenaufgang vom Fuji aus

Sonnenaufgang vom Fuji aus

Sonnenaufgang vom Fuji aus

Als die ersten Geschäfte gegen sechs Uhr die Türen öffnen (offiziell öffnen die meisten erst um acht oder sogar erst um zehn) gibt es nur noch eines was gegen die Magenschmerzen hilft: Whiskey. Und selbst den bekommt man hier. Also liebe Alkoholiker. Der Stoff wird Euch nicht mal auf 2300 m höhe auf dem Fuji San ausgehen. Beruhigend, oder?

Wetterbericht für den Fuji San: http://tenki.jp/mountain/point-30.html

Diverse Wanderrouten: http://www.city.fujiyoshida.yamanashi.jp/div/english/html/climb.html

Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom Deutschen Webspace Provider Network für den exzellenten Service, Lilith Pendzich, Brandon Lamb, U.S.A.

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die elfte Woche

Es ist Wochenende und ich treffe mich heute mit Andreas, einem meiner Schulfreunde, der Japanologie studiert hat und bereits seit einigen Jahren in Tokios Nachbarpräfektur Saitama lebt. Da wir beide passionierte Zocker (Videospieler) sind, fröhnen wir in den Videospielläden Akihabaras heute mal wieder unserem Hobby. Nach einem anstrengenden aber zufriedenstellenden Bummeltag machen wir uns auf den Heimweg. Am Bahnhof Omiya trennen sich unsere Wege und ich setze mich auf einen Stuhl am Bahngleis für die Züge Richtung Kawagoe.

Der Zug Richtung Tokio am gegenüberliegenden Bahnsteig fährt ein. Er hupt laut und hält verfrüht. Ich blicke zu den wartenden Menschen auf unserer Seite des Bahnsteigs. Eine Menschentraube bildet sich auf der Höhe des Führerhauses. Eltern nehmen Ihre Kinder bei der Hand und zerren sie hastig aus der Menschenmenge Richtung Rolltreppe zum Ausgang. Ich stehe auf und nähere mich der Menge. Deren Blicke starren alle auf eine Stelle unter dem Zug. Einige Frauen drehen sich mit entsetzten Gesichtern weg und halten ihre Hände vor den Mund. Jetzt begreife ich erst was passiert ist. Ein Mann, schwer zu erkennen, vielleicht zwischen 50 und 60, liegt regungslos und blutverschmiert unter dem Zug auf den Betonboden zwischen den Gleisen.

Bahnhof Omiya

Bahnhof Omiya

Was soll ich tun? Lebt er noch? Ich sehe genauer hin. Ja, er atmet. Bevor man hier helfen kann und in den Bahnschacht steigt sollte man sicher gehen, dass die Seite des Gleises auf der man sich befindet gesperrt ist. Denn der Zug nach Kawagoe müsste laut Plan jede Sekunde einfahren. Plötzlich ertönt ein gleichmäßiger, fast schon ohrenbetäubender Alarm und zeitgleich schlagen alle Signalleuchten auf Rot um. Ein eindeutiges Signal, dass alle Gleise nun gesperrt sind und keine Züge mehr einfahren können. Dennoch springt nun niemand in den Schacht um zu helfen. Auch ich bin verunsichert. Schließlich sind hier, im Gegensatz zu einer ungesicherten Unfallstelle auf der Straße, Bahnbedienstete vor Ort, die für solche Fälle ausgebildet sind.

Der Mann liegt auf der Seite und beginnt sich zu regen. Er versucht seinen Arm zu heben. Die Menschenmenge ruft ihm hektisch etwas zu. Er versucht nun auch seine Beine zu bewegen. Jeder Teil seines Körpers regt sich ein wenig. Er scheint also zum Glück nicht querschnittsgelähmt zu sein. Auch hat er, so weit ich es erkennen kann, keine Gliedmaßen verloren. Aber die Blutlache, die ihn umgibt, wird verhältnismäßig schnell größer. Warum dauert es denn so lange, bis jemand mit einer Trage kommt oder einer der Bahnbediensteten nun endlich in den Schacht steigt, um ihn unter dem Zug hervor zu holen? Erst nach fast zehn Minuten kommt ein Mann mit einer Trage. Nun klettern auch Fahrgäste in den Schacht und eilen zur Hilfe. Es ist kein ungefährliches Unterfangen wie sich schnell zeigt. Das Kondenswasser der Zugklimaanlagen hat eine Pfütze auf dem glatten Beton gebildet und ein herbeieilender Fahrgast rutscht in dem Schlamm sofort aus. Zum Glück fällt er nicht auf die harten Schienen.

Nach zwanzig Minuten wird der Mann endlich von mehreren Helfern und Bahnbediensteten mit der Trage auf den Bahnsteig gehievt.

Es dauert weitere zehn Minuten, und der Zug wird vorgefahren und steht nun auf der gesamten Länge des Bahnsteigs. Fast schon als ob nichts passiert wäre wird er abgefertigt und verlässt den Bahnhof Richtung Tokio. Jetzt beginnen Polizisten die Unfallstelle zu dokumentieren. Zeugenaussagen werden aufgenommen. Es war kein Unfall, es war ein Selbsttötungsversuch.

Alles wird genau protokolliert

Alles wird genau protokolliert

Leider gehören auch solche Momente zu Tokios Alltag. Es klingt makaber aber selbst für den Suizid scheint es hier eine Art Kodex zu geben. Und so ironisch es klingen mag, die meisten Japaner halten sich sogar daran. Man bringt sich nicht zur Rush hour um, denn man will schließlich nicht zu viele Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit oder nach Hause stören. Ich habe mehrere Japaner gefragt, ob das ein schlechter Witz sein soll, oder ob das wirklich stimmt. Tatsächlich befolgen viele, die sich das Leben nehmen, diese „Regel“ hier. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Und erst recht nicht, was ich heute fühlen soll. Fassungslosigkeit? Mich freuen, dass der Mann überlebt hat? Mich über diesen Widerspruch wundern, dass sich viele Japaner selbst beim Suizid an eine Regel halten… Es ist einfach eine unfassbare Erfahrung und ich werde wohl etwas Zeit brauchen, um sie zu verstehen.

Fassungslose Blicke

Fassungslose Blicke


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die zehnte Woche

Ein Herz für Indien

Ein Herz für Buddhisten

Ein Herz für Buddhisten

Tsukiji Hongangi Tempel in Ginza, Tokio

Tsukiji Hongangi Tempel in Ginza, Tokio

Obonfest Teil zwei. In der neunten Woche habe ich einige Fotos der Obon Atmosphäre gezeigt. Was ich bisher nicht einfangen habe, sind die damit verbundenen Tänze und natürlich die Kimonos. Es ist Zeit, etwas Filmmaterial vom Fest zu präsentieren. Eines von Tokios größten Obon Festen findet vor dem Tsukiji Hongangi Tempel in Ginza statt, eine von Tokios trendigen Gegenden. Aber wenn man sich den Tempel so ansieht, erinnert er nicht gerade an einen typisch japanischen, oder? Richtig, er ist an indische Architektur angelehnt. Warum? Nun der Buddhismus kommt nun mal schlicht und einfach aus Indien. Und dieser Tempel ist eine Hommage daran. Aber genug 66.zz. Es ist Zeit zu feiern. Viel Spaß!
Tsukiji Hongwanji Bon Odori Dance Festivities von Daaaaaaaaaaaax

Obon Festival

Obon Festival

Kimono Kollektion

Kimono Kollektion

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die neunte Woche

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne …

Meiner Regel nicht gleich in der ersten Arbeitswoche über meine neue Arbeit zu erzählen bleibe ich treu.

Kawagoe Obon Festival

Kawagoe Obon Festival

In Kawagoe wird das 1.000.000 Millionen Laternen Festival gefeiert. Wie Kawagoe tags aussieht, habe ich ja bereits gezeigt. Doch dieses Festival bietet sich geradezu dafür an, Nachtaufnahmen meines Wohnorts zu präsentieren.

Brruuuuummm

Brruuuuummm

Grund für die Feierlichkeiten sind die buddhistischen Obon- (お盆oder auch nur Bon)-Feste, die in Japan während der Sommermonate (meist im Juli und August) stattfinden. Buddhisten gedenken dann ihrer verstorbenen Ahnen. Sie glauben, dass die Vorfahren als Geister zu den Altaren und sogar zu ihren Nachfahren nach Hause kommen, um sie zu besuchen. Das ist natürlich eine große Ehre. Also werden die Städte herausgeputzt, die Kimonos aus den Schränken geholt, man ehrt seine Vorfahren mit Tänzen und natürlich auch mit gutem Essen. Man möchte schließlich, dass sie sich wie zu Hause fühlen. Das Bon Fest dauert drei Tage und findet in jeder Präfektur bzw. Ortschaft an unterschiedlichen Tagen statt. Cool, oder? So kann man es gleich mehrmals feiern :)

Kawagoes Fußgängerzone bei Nacht

Kawagoes Fußgängerzone bei Nacht

Auch wird das Fest von Ort zu Ort unterschiedlich gefeiert. Hier in Kawagoe werden beispielsweise überall Laternen aufgehängt. Dieser Brauch geht auf eine Tradition zurück, die um 1850 ihren Ursprung hat. Als damals Kawagoes Herrscher starb, hing die Tochter des Tempeldienstherren dem verstorbenen Herrscher zu Ehren an jedem Obonfest Laternen auf. Da der Herrscher bei der Bevölkerung sehr beliebt war, fand die Idee schnell Nachahmer und in kürzester Zeit wurde es Brauch, die gesamte Stadt während des Bon Fests mit Laternen zu schmücken.

Yaki Niku Grille

Yaki Niku Grills

Obon Festmahl

Obon Festmahl

Als mein Gastgeber Brandon und ich durch die Straßen Kawagoes schlendern, kann ich einfach nicht widerstehen eine gesellige Tafelrunde zu fragen, ob ich ein paar Fotos von der Runde machen dürfte.

 

Anstatt ein einfaches „Hai“ gesagt zu bekommen, werden Brandon und ich gleich zur Tafel eingeladen. Auf dem Tisch stehen drei Yaki-Niku-Grills und uns wird Whiskey angeboten. Beide werden wir von drei achtzehn-jährigen Studentinnen verwöhnt. Oh Du schönes Japan!

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die achte Woche

Es ist manchmal schon erstaunlich, wie sich manche Dinge verändern, wenn man eine Reise in ein fernes Land antritt. Ich bin also nun zwei Monate hier und habe die größten Kulturschocks bereits hinter mir. So langsam beginnt hier der Alltag für mich. Von wegen…

Da ich ja bisher nur eine Halbtagsstelle als Englischlehrer in einer Nachmittagskinderbetreuung habe, bewerbe ich mich für weitere Jobs. Den interessantesten Job von allen hat Brandon für mich entdeckt, der bereits zum zweiten mal mein Gastbeber ist. Er scheint es sehr gelassen zu nehmen, obwohl wir uns ein 16 m² Zimmer teilen. Es gibt hier mehrere Lokalisierungsagenturen, die Videospiele in der Entwicklungsphase testen und zusätzlich übersetzen bzw. die Inhalte auf Übersetzungsfehler hin überprüfen. Da ich bereits mehrjährige Erfahrung in der Videospielebranche habe, habe ich mich bei gleich zwei sogenannten Linguistic Test Agenturen beworben, die deutsche Muttersprachler suchen. Im Gegensatz zu meinem Job als Englischlehrer verstehe ich natürlich, dass in so einem Fall nur Muttersprachler in Frage kommen. Tatsächlich melden sich beide Agenturen und schicken mir einen Deutschtest für den mir die eine Firma zwei Wochen, die andere ein Wochenende Zeit gibt.

Gleich nach Zusendung via Mail am Montag Morgen werde ich für den nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich sehe mir die Firmenwebseite genauer an und sehe, dass sie ihre Hauptniederlassung in Kanada und zwei weitere Geschäftsstellen in Madrid eben hier nahe Kawasaki haben.

In einer kurzen Mail sage ich zu und bitte für einen etwas legereren Kleidungsstil für das Vorstellungsgespräch um Verständnis, da mein Anzug noch auf dem Weg von Deutschland nach Japan wäre :-) Die Antwort kommt prompt und legitimiert mich dazu, in einem zwanglosem Kleidungsstil zu erscheinen.

Es ist ein heißer, strahlend sonniger Dienstag und ich mache mich für das Vorstellungsgespräch von meinem jetzigen Gastgeber von Kawagoe in der Präfektur Saitama auf den Weg zur Kanagawa Präfektur nach Saginuma. Dazu muss ich praktisch komplett Tokyo (Metropole und Präfektur) durchqueren. Zwar bin ich überpünktlich am Zielbahnhof aber auf dem Fußweg zum Vorstellungsgespräch verirre ich mich natürlich mal wieder. Ich befinde mich scheinbar 10 min. vom Büro entfernt und es wären aber laut Wegbeschreibung der Firma nur 2 Minuten. Ich mag zwar heißes Wetter, aber heute ist es alles andere als passend. Durch das Herumgeirre komme ich schon sehr ins Schwitzen. Als die Zeit knapp wird, halte ich nach einem Taxi Ausschau. Natürlich sieht man nie eins, wenn man es braucht. Ich soll um 15:00 zum Gespräch erscheinen und es ist fünf vor. Wow, es sieht so aus als würde ich selbst hier in Japan meinem Motto „10 Minuten nach der Zeit beginnt des Pendzichs Pünktlichkeit“ gerecht werden. (© by Christoph Flossmann) Nein … leider werde ich dem dieses mal doch nicht gerecht. Was noch cooler ist, ist die Tatsache, dass ich kein Bargeld dabei habe und das Taxi, welches ich gerade angehalten habe, keine Kreditkarten akzeptiert. Um sie über meine Verspätung zu informieren, rufe die Agentur an. Dabei denke ich mir: „Eigentlich wäre es doch am besten, wenn ein Japaner die Adresse der Agentur dem Taxifahrer nennen könnte“. Also nutze ich doch gleich die Gelegenheit und frage den Firmenchef, ob er mir diesbezüglich nicht helfen könne. Ich reiche das Handy an den Taxifahrer weiter, er erhält eine detaillierte Wegbeschreibung und reicht das Handy zurück. „Ach ja, da wäre noch eine Sache“, sage ich wieder am Telefon zum Firmenchef, „Könnten Sie mir vielleicht noch bei einem Problem aushelfen? Ich habe kein Bargeld könnten Sie mir ggf. die Taxifahrt zahlen und ich begleiche dies dann später?“…

Mit 20-minütiger Verspätung erscheine ich zum Vorstellungsgespräch. Scheinbar eher amüsiert und weniger brüskiert sind der Chef und Personalchefin über die Art meiner Ankunft. Allerdings auch ein wenig schockiert über mein mein Erscheinungsbild. Ich bin total verschwitzt. Mein Hemd ist ein einziger Waschlappen. Und ich meine einen nicht ausgewrungenen. Kein Bereich des Hemdes zeigt auch nur eine einzige trockene Stelle. Es ist so nass, dass es praktisch überall an meiner Haut klebt. Hm… Ich glaube den Kommentar – „Ich dachte es handelt sich um eine Bewerbung als Model für ein Wet shirt contest.“, spare ich mir hier wohl lieber. Vielleicht sollte ich auf deren Frage hin, ob alles okay sei, auch nicht in Bruce-Willis-Manier antworten: „Hm?“, etwas verdutzt schauen, “Ah, ja, ja, heute ist Waschtag!“

Ich bin mir durchaus bewusst, dass das kein Glanzstart für einen neuen Job ist und nachdem mir erläutert wurde, was meine Aufgaben wären muss ich scheinbar schon die nächste Skurrilität erklären und scheine den Geschäftsführer damit wohl endgültig zu verwirren: „Also Moment, Sie sind bereits seit fast zwei Monaten in Japan, sind auf eine Adresse registriert bei der Sie nur gelegentlich wohnen?“

„Ja, so ungefähr?“, antworte ich.

„Also gut, solange Sie nicht so spät wie zum heutigen Termin zur Arbeit erscheinen, hat unsere Firma damit kein Problem. Aber wie berechnen wir denn dann Ihre Anfahrtskosten, die wir Ihnen ja erstatten würden? Und an welche Adresse sollen wir Briefe schicken? Und könnten Sie sofort anfangen? Sie wissen ja, dass es sich um eine Vollzeitstelle handelt.“

„Moment, ich dachte es ist projektbasierte Arbeit mit flexiblen Arbeitsstunden ähnlich wie bei den Sprachschulen hier.“, frage ich.

„Nein, wir würden Sie Vollzeit beschäftigen! Da führt kein Weg dran vorbei!“, antwortet er.

„Also, ich habe aber schon einen Vertrag für einen Teilzeitjob als Englischlehrer unterschrieben. Und der läuft bis März nächsten Jahres… Also gut. Nehmen wir mal an, ich wäre bereit den Job als Englischlehrer aufzugeben vorausgesetzt die Kita würde der Vertragsannullierung zustimmen. Könnten wir so eine Lösung finden?“, frage ich.

„Also da wir sehr kurzfristig jemanden suchen, entscheiden wir uns noch heute zwischen unseren Bewerbern, und könnten ihnen dann Bescheid geben. Sollten wir uns für Sie entscheiden, würden wir Ihnen natürlich ein, zwei Tage Zeit geben um die Sache mit Ihrem Lehrerjob zu klären. Solange würden wir den anderen Bewerbern noch nicht absagen. Heute ist Dienstag könnten Sie denn schon nächsten Montag hier anfangen?“, möchte er wissen.

„Also wie gesagt ich muss das auch noch mit der Kita besprechen. Aber ich könnte Ihnen sicherlich morgen schon Bescheid geben.“ sage ich.

„Gut, da wir dringend jemanden suchen, den wir zum schnellstmöglichen Zeitpunkt einstellen können, werden wir uns schon heute Abend entscheiden, sodass Sie alles in die Wege leiten können, sollten wir uns für Sie entscheiden. Also dann alles Gute!“, begleitet er mich zur Tür.

„Die nehmen mich sowieso nicht, so verplant, verspätet und verschwitzt wie ich dort aufgetaucht bin und unter welchen Kriterien es überhaupt zu einer Einstellung kommen kann.“, denke ich mir als ich gerade auf dem Heimweg durch den U-Bahnhof von Shibuya schlendere und gerade mein Handy klingelt: „Hallo, Pendzich San hier ist Enzyme, wir würden Sie gerne bei uns einstellen …

Wow, ziemlich cool! Was für ein cooler Job! Aber auf der anderen Seite. Was ist mit den Kids in der Kita? Sie sind mir richtig ans Herz gewachsen und den netten Kitachef will ich auch nicht im Stich lassen müssen.

Mittwochs arbeite ich zwar nicht in der Kita, aber schließlich bittet man ja den Chef nicht telefonisch, in einer Email oder via um vorzeitige Vertragsauflösung also mache ich mich somit auf den Weg zur Kita.

Dort angekommen bitte ich den Chef um ein persönliches Gespräch. Ich erkläre ihm meine Situation, dass mir die Entscheidung auch sehr schwer gefallen ist, ich aber darum bitte den den Arbeitsvertrag ohne die einmonatige Kündigungsfrist beenden zu können. Als zusätzliche Bestechung und gleichzeitige Entschuldigung überreiche ich ihm noch eine Flasche Wein.

Man sieht meinem Chef, Kuba San, an, dass er nicht gerade begeistert ist, dass er sich nach nur einem Monat wieder einen neuen Lehrer suchen darf. Mit japanischer Höflichkeit akzeptiert Kuba San meine Entscheidung. Ich sage ihm noch, dass mir für den neuen Job angeboten wurde eine Übergangszeit wahrzunehmen. Kuba San wird hellhörig. Zwei Wochen lang könnte ich noch halbtags unterrichten. Er bittet mich darum die zwei Wochen noch zu unterrichten. „Das mache ich gerne!“, erwidere ich, „Und nochmals Entschuldigung.“

Es scheint, als müsse ich mich also auf einen neuen Alltag einstellen. Ich bin schon gespannt, was mich nächste Woche erwartet.

Verräter, Du wolltest bis März nächsten Jahres bleiben!!!

Verräter, Du wolltest bis März nächsten Jahres bleiben!!!

Der Abschied fällt schwer... Man sieht es an meinem Grinsen ;)

Der Abschied fällt schwer... Man sieht es an meinem Grinsen ;)

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die siebte Woche

Also gut, ich wurde von einigen Lesern gebeten, doch mal von meinem Kamerastativ Gebrauch zu machen und Bewegbilder zu zeigen.

Ich präsentiere die Herausforderungen eines jeden Englischlehrers in Japan. Die größte ist wohl den Japanern den Unterschied zwischen L un R beizubringen. Noch schwieriger ist es, ihnen die korrekte Aussprache beizubringen. Hai macht das Spaß! Selbst mein Name bereitet ihnen Schwierigkeiten. Entwerder heiße ich Dschimon oder Shimon. Aber ein normales ‘S’ haben die Japaner einfach nicht.

Ich bin übrigens nicht nur Englischlehrer, sondern betreue die Kinder auch. Das heißt auch mit ihnen zu spielen und natürlich auch darauf zu achten, dass sie mir in den anstrengenden Stunden nicht verhungern. Ach ja… mein Lieblingsspiel ist übrigens ‘Simon says’.
Kirari Kids von Daaaaaaaaaaaax

Vielen Dank an Lilith Pendzich und Hubertus Neidhart.

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